TuneUp Utilities - Praxistest

„Knüppel aus dem Sack“ um es mit kurzen Worten einzuleiten. Da haben sich mal wieder die Richtigen gefunden. In der roten Ecke haben wir die Computerbild, das bekannteste Magazin des „Computer-Halbwissens“ und die Gang, der angeblich unverzichtbaren „Tuning“ -und „Bereinigungssoftware“, TuneUp Utilities. In der blauen Ecke das Entwicklteam mit dem Knüppel und Sack. Auf einer der letzten Ausgabe (04/2012) von dem „Ahnungslosmagazin“ wurde mit großem Jubel eine ein Jahr lauffähige Vollversion von „TuneUp Utilities 2011“ mitgeliefert. Man darf vermuten, dass die Anfragen von Usern in irgendwelchen Hilfeforen demnächst wieder überflutet werden, da Dank dieser „Beilage“ diverse Windowseinstellungen „verfriemelt“ wurden. Lassen wir die rote Ecke jubeln und nehmen uns das Ding mal vor.

Was ist „TuneUp Utilities“?

Es handelt sich um eine kostenpflichtige Müllware Software die verspricht, dass der PC schneller startet, das System „sauberer“ wird, Platz geschaffen wird und Probleme gelöst werden, die angeblich seit der Installation ständig im Windows vorhanden sind. Insbesondere das Thema Leistung, Geschwindigkeit und Fehlerbeseitigung per Mausklick scheint viele Leute dazu zu bringen, sich diese Müllware Software oder ähnliche Produkte zu installieren. Den Praxistest, welchen wir Ihnen zeigen ist definitiv nicht vom „Halbwissen-Magazin“ bezahlt oder beeinflusst.

Praxistest

Zum testen dieser Müllware Software haben wir uns die aktuellste Version von der ComputerBild einfach herunter geladen. Schließlich wollen wir fair sein und ein aktuelles System nicht durch veraltetes Halbwissen bereinigen lassen. Das Testobjekt ist ein ausrangierter PC, der für alle möglichen Testinstallationen her halten muss. Scheint irgendwie genau das richtige Objekt zu sein, denn aufräumen wollten wir auf der Kiste sowieso mal wieder.

Der PC (Windows 7 Ultimate 64) wurde schon lange nicht mehr gewartet, ist zugemüllt mit Software, Tools und zeigt schon richtige „Verschleißerscheinungen“ in Form von Leistungseinbußen. Das Testobjekt ist zwar etwas langsam und auf Grund seiner Hardwareausstattung eher ein Model von Vorgestern (AMD Athlon 3200+ (2Ghz), 2GB RAM und eine Terrabyte HD von Samsung), läuft aber Problemlos und macht was er soll. Keine Fehlermeldungen, Softwareprobleme und sonstiges Wirrwarr.

Installation

Für die Installation wird eine einfache Datei ausgeführt welche einen Installationsassistent nach Bestätigung des UAC’s (User Account Control) ausführt. Der Assistent erkennt sofort dass unser PC die tolle „Sicherheitstoolbar“ von AVG (AntiVir Guard) nicht installiert hat und empfiehlt diese zu installieren damit wir endlich sicher im Netz surfen können. Wir entscheiden uns wie jeder andere Benutzer es tun würde und installieren diese „Toolbar“ mit.

An dieser Stelle fällt uns ein Problem auf. Durch die Installation dieser „Toolbar“ kommt ein „Dritter“ hinzu, der seine AGB’S und Datenschutzbestimmungen akzeptiert haben möchte, bevor die Installation der „Toolbar“ ausgeführt wird. Beim klick auf die Datenschutzbestimmungen gelangen wir auf die Herstellerseite und dürfen uns die Datenschutzbestimmungen in englischer Fassung durchlesen. Unser Betriebsystem genauso wie Tastaturlayout ist auf Deutsch eingestellt, somit ist hier schon mal klar, dass der Assistent einfache Umgebungsvariablen nicht auslesen kann. Eine deutschsprachige Variante wird auf der Betreiberseite am Ende doch noch Angeboten.

Der erste Programmstart

Nach dem wir dem Assistent alles bestätigt haben und das Programm schnell fertig installiert wurde, starte „TuneUp“ 1-Klick-Wartung und begrüßt uns nach kurzer Zeit mit diesem übersichtlichen Ergebnis.

Der normale Benutzer wird jetzt erleichtert aufatmen, dass diesem schwer beeinträchtigten System endlich Hilfe zuteil kommen wird. Wir wollen aber jetzt keine Wartung sondern erst mal sehen, wo den der Hund begraben ist.

Die Systemregistrierung ist eine Systemdatenbank in der Windows und andere Anwendungen Ihre Einstellungen und Programmverknüpfungen ablegt. Die „Registry“ wächst mit der Zeit auch ein wenig, da der sogenannte „Uninstaller“ eines Programms bei der Deinstallation ihre Daten nicht entfernen. Wozu auch? Das Programm ist nach der Deinstallation nicht mehr vorhanden, kann nicht ausgeführt werden und somit auch der Registrierungseintrag nicht mehr abgefragt werden. TuneUp gibt den „Detailbericht“ irgendein Ergebnis aus und behauptet, dass es sich um Probleme handelt. Ob dem so ist, kann ein Normalbenutzer kaum beurteilen. Selbst Administratoren löschen nicht einfach irgendwelche Registryschlüssel, weil ein Verweis auf einen anderen Schlüssel fehlt oder fehlerhaft ist.

Wir verhalten uns einfach wie "Ottonormalverbraucher" und lassen den Assistenten seine „Arbeit“ machen. Auch die anderen empfohlenen „Optimierungen“ wie das Löschen von fehlerhaften Verknüpfungen oder Bereinigungen von temporären Dateien lassen wir durchführen.

Während wir uns außerdem die ganze Zeit durch die Problemliste arbeiteten ist uns aufgefallen, dass unser PC auf Eingaben langsamer reagiert hat. Ein Blick auf den „Taskmanager“ hat den Übeltäter entlarvt. Wer hätte das gedacht? Ohne meine Einwilligung legt TuneUp einfach schon mal los und defragmeniert unsere Festplatte schon fleißig im Hintergrund.

Nach dem der Assistent seine "Arbeit" abgeschlossen hat setzten wir unsere mit einem Neustart fort. Der PC startete wie gewohnt und nach der Anmeldung gab es erstmal nichts Besonderes. Ein Neugieriger Blick in die Systemdienste (Verwaltungskonsole) verrät uns, dass der „unverzichtbare Leistungsoptimierer“ einen Dienst installiert hat, welcher im Hintergrund läuft. In der Dienstbeschreibung heißt es:

Dieser Dienst analysiert im Hintergrund die Nutzung Ihres Computers und ermöglicht die automatische Durchführung von situationsabhängigen Optimierungen. Alle Funktionen können in TuneUp Utilities eingestellt werden. Wenn Sie diesen Dienst stoppen oder deaktivieren, funktionieren Teile von TuneUp Utilities nicht mehr.

Im „Taskmanager“ sehen wir, das sich der Überwachungsdienst zunächst bei ca. 5 MB Arbeitsspeicher einpegelt, was anhand der heutigen Speicherdimensionen eher gering ist.

Zwischenergebnis

Bis hier hin haben wir festgestellt, dass die Müllware Software lediglich den Geldbeutel belastet hat. Punktestand: Rote Ecke: 0, Entwicklteam: 1

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